[CBTK] - Newsletterarchiv
Newsletter vom 15.04.2026 (gekürzt)
... beim Kaffeeholen aufgeschnappt
Warum "Einfach mal machen lassen" Ihr Unternehmen ins Chaos stürzt
Nina ist Geschäftsführerin eines erfolgreichen Mittelständlers und wollte ihr Unternehmen "modern" aufstellen. Sie hatte viel über New Work, Agilität und den Abbau von Hierarchien gelesen. Ihr Entschluss stand fest: "Ab sofort entscheidet ihr selbst. Ich ziehe mich aus dem operativen Geschäft zurück und überlasse euch die Organisation.".
Nina dachte, sie schenkt ihren Mitarbeitern Freiheit. Doch sechs Wochen später herrschte dicke Luft. Projekte liefen in völlig unterschiedliche Richtungen, wichtige Schnittstellen blockierten sich gegenseitig, Entscheidungen wurden teilweise nicht getroffen und am Ende landeten doch wieder alle Fragen auf Ninas Schreibtisch. Ihr frustriertes Fazit: "Euch kann man aber auch wirklich nicht alleine machen lassen.".
Was war passiert? Nina war in die Falle der Selbstüberlassung getappt – ein häufiger Irrtum, wenn Selbstorganisation falsch verstanden wird.
Echte Selbstorganisation ist kein Zustand der Strukturlosigkeit. Im Gegenteil: Damit Mitarbeiter dezentral und eigenverantwortlich entscheiden können, muss das Management den Rahmen vorgeben. Wenn Nina sich größtenteils zurückzieht, ohne eine handlungsleitende Strategie bzw. Prinzipien vorzugeben, entstehen keine Lösungen, sondern erst ein Vakuum und dann ein teurer „Flickenteppich“ aus Einzellösungen und Ressourcenverschwendung.
Fazit: Mehr Selbstorganisation erfordert mehr Führung, nicht weniger
Selbstorganisation ist eine aktive Managementleistung. Wenn Nina will, dass ihre Teams Verantwortung übernehmen, muss sie die Verhältnisse so gestalten, dass eigenverantwortliches Handeln überhaupt erst möglich und sinnvoll wird. Selbstorganisation entsteht vereinfacht, wenn drei Dinge gleichzeitig zusammentreffen:
- Wollen: Die Motivation, Verantwortung zu übernehmen
- Können: Die Kompetenz, Entscheidungen zu treffen
- Dürfen: Der klare Rahmen, innerhalb dessen Entscheidungen legitim sind
Fehlt eines davon, bleibt Selbstorganisation ein leeres Versprechen.
Wünscht du dir über mehr Selbstorganisation in deiner Organisation? Dann lass uns vorher reden!
Newsletter vom 02.03.2026 (gekürzt)
... beim Kaffeeholen aufgeschnappt
Wenn der Plan klüger ist als die Organisation.
Montag, 9:00 Uhr im Konferenzraum eines mittelständischen Unternehmens.
Auf der Leinwand: ein perfektes Gantt-Chart, Budgetampeln alle auf Grün (gesetzt?), Meilensteine sauber verteilt. „Wir sind voll im Plan“, sagt die Geschäftsführung. Man nickt erleichtert.
Dann meldet sich die Vertriebsleiterin zu Wort: „Unser wichtigster Kunde hat seine Prioritäten angepasst. Wenn wir so weitermachen, liefern wir sehr wahrscheinlich an seinem Bedarf vorbei.“
Ein kurzer Moment Unruhe. Doch das Gespräch geht nicht in Richtung Markt, sondern zurück zum Plan: „Das sprengt den Scope“, „Dafür gibt es kein Budget“, „Das Ziel ist so verabschiedet.“ Die Organisation verteidigt nicht den Kunden – sie verteidigt ihre eigene Vorstellung von Zukunft.
Genau hier wird es gefährlich:
Die Kommunikation orientiert sich internen Themen. Es geht darum, wer seine Ziele erreicht, nicht darum, welche Probleme beim Kunden wirklich gelöst werden. Je mehr Planerfüllung zum wichtigsten Erfolgskriterium wird, desto tauber wird die Organisation für Signale aus ihrer Umwelt.
Dabei ist der Ursprung verständlich: Planung gibt Sicherheit. Sie suggeriert Steuerbarkeit in einer Welt, die sich kaum steuern lässt. Pläne werden zu Versprechen – und Versprechen will man halten. Also hält man daran fest, selbst wenn sich draußen alles verändert.
Die klügeren Organisationen machen etwas anderes:
Sie planen weiter – aber sie behandeln Pläne wie Arbeitshypothesen, nicht wie Gesetze. Abweichungen gelten dort nicht als Störung, sondern als Information. Erfolg heißt dann nicht: „Wir haben unseren Plan erfüllt“, sondern: „Wir haben auf echte Veränderungen schnell und wirksam reagiert.“
Die Frage ist also nicht: Planen oder nicht planen?
Die Frage ist: Dient der Plan noch der Wertschöpfung – oder dient die Organisation längst dem Plan?
Wenn du beim Lesen an deine letzte Zielvereinbarungsrunde oder dein aktuelles Projektportfolio denken musstest: Genau dort beginnt der Hebel.
Newsletter vom 04.02.2026 (gekürzt)
... beim Kaffeeholen aufgeschnappt
„Sag mal“, meint er und stellt den Kaffeebecher ab, „warum rufen eigentlich alle sofort an, sobald irgendwo ein kleiner Punkt unklar ist?“
Sie zuckt mit den Schultern. „Weil’s schneller geht und einfacher ist?“
„Glauben viele“, sagt er. „Heute Morgen erst wieder: drei Chatnachrichten, dann ein spontaner Call, dann ein Meeting draus gemacht. Am Ende ging’s um eine Info, die auch locker per Nachricht gereicht hätte.“
Sie lehnt sich an die Küchenzeile. „Klingt nach klassischer Verwechslung von synchroner und asynchroner Kommunikation.“
Er nickt. „Exakt. Synchron heißt: alle gleichzeitig dran. Telefon, Meeting, Call. Asynchron heißt: einer schickt was, der andere kümmert sich später drum. Mail, Messenger, Task, schriftliche Info.“
„Wobei Mail ja beides sein kann“, wirft sie ein.
„Theoretisch ja“, sagt er. „Praktisch wird sie oft behandelt wie ein Notruf.“
Kurzes Schweigen. Kaffeemaschine brummt.
„In kleinen Teams funktioniert das Ganze ja noch“, sagt sie. „Man ist nah dran, kennt sich, klärt schnell.“
„Stimmt“, erwidert er. „Aber je größer die Runde wird, desto teurer wird jede Unterbrechung. Jeder Call, jedes Meeting zieht Aufmerksamkeit beim Gegenüber ab. Transaktionskosten nennt man das. Klingt trocken, fühlt sich aber jeden Tag schmerzhaft an.“
Sie grinst. „Also müsste eigentlich jeder vorher kurz überlegen, was er da gerade lostritt.“
„Genau das“, sagt er. „Ist es nur eine Info? Nicht dringend? Dann asynchron, sauber formuliert, fertig. Kein Ping, kein Druck.“
„Und wenn’s brennt?“, fragt sie.
„Oder wenn’s komplex wird, erklärungsbedürftig oder kreativ“, antwortet er, „dann bitte synchron. Reden, Rückfragen, gemeinsames Denken. Alles andere ist Zeitverschwendung mit Ansage.“
Sie nimmt ihren Becher. „Eigentlich simpel.“
Er nickt. „Ja. Aber simpel heißt nicht automatisch, dass man es auch macht. Die meisten Probleme entstehen nicht durch falsche Inhalte, sondern durch die falsche Form der Kommunikation.“
Sie schaut auf die Uhr. „Na gut. Dann schick mir das Update später einfach asynchron.“
Er lächelt. „Mach ich. Ohne Call.“
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... eine Frage zum Schluss
Hast du schon mal darüber nachgedacht, wo du gutes Geld schlechtem hinterherschmeißt?
In klassischen Projekten ist es hin und wieder klar. Das Projekt lief gehörig schief und nun überlegt man, ob man weiter investiert oder abbricht. (Stichwort: Sunk-Fellow-Costs oder Sunk-Cost-Fallacy)
Bezüglich der Struktur der eigenen Organisation ist das sehr oft ein blinder Fleck. Da wird ein Störgefühl - z. B. ‚Meine Mitarbeiter übernehmen keine Verantwortung‘., ‚Unsere Meetings sind ineffizient.‘ oder ‚Mein Team performt irgendwie nicht mehr.‘ - lange hingenommen. Und damit auch die entstehenden Transaktionskosten bzw. Reibungsverluste. Selten setzt man sich hin und ist sich gewahr, dass der professionelle Blick von außen zwar Geld kostet, aber mittelfristig oft weit weniger als weiterhin am Alten festzuhalten.
Wo lässt du es einfach laufen und versenkst gutes Geld?
Newsletter vom 02.01.2026 (gekürzt)
... beim Kaffeeholen aufgeschnappt
In der Kaffeeküche steht sie am Automaten, rührt gedankenverloren im Becher. Er kommt rein, bleibt vor dem neuen Poster stehen: „Unser Führungsleitbild - Unsere Werte“. Große Worte, sauber gelayoutet.
Sie bemerkt seinen Blick und meint trocken, dass es schon erstaunlich sei, wie viel Aufwand Organisationen in solche Leitbilder stecken. Workshops, Wertefindung, Moderation. Und am Ende steht da, wie Führung zu sein hat. Für alle gleich.
Er hebt eine Augenbraue. Werte halt.
Sie schüttelt den Kopf. Genau das sei der Denkfehler. Werte lassen sich niemandem vorschreiben. Die sind individuell, gewachsen, biografisch geprägt. Aus der Summe dieser individuellen Werte entsteht Kultur. Nicht umgekehrt. Kultur ist kein Designobjekt.
Sie sagt weiter, dass diese Programme fast immer so tun, als könnte man Werte vorschreiben und jeder würde sie dann befolgen. Als könne man sie entwickeln, beschließen und dann ausrollen. Ihre Erfahrung: Das funktioniert nicht. Es bleibt vorschreibend, gut gemeint und ... wirkungslos.
Was sie wirklich problematisch findet, ist die implizite Botschaft. Führungsleitbilder unterstellen, dass Führungskräfte erst passend gemacht werden müssen. Und dass gute Führung immer gleich aussieht. Beides gehe an der Realität vorbei.
Bis hierhin, sagt sie, sei der Schaden überschaubar. Seminaranbieter verdienen gut, das Top-Management schmückt sich mit einem Wertekatalog, und alle können sagen, man habe sich mit Kultur beschäftigt.
Dann wird sie ernster. Kritisch wird es dort, wo Mitarbeiter den Bruch spüren. Zwischen der Hochglanz-Wertewelt und dem, was im Alltag tatsächlich passiert. Wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderlaufen, entsteht Dissonanz. Und daraus Misstrauen.
Sie nimmt einen Schluck Kaffee und sagt nüchtern: Misstrauen ist kein Gefühlsthema. Das wirkt langfristig. Und selten zum Vorteil der Organisation.
Wenn du auch die dieses Störgefühl hast, verstehen willst, wie deine Organisation tickt und wie man die Kultur eventuell doch beeinflussen kann, dann lass uns einen gemeinsamen Kaffee oder Tee trinken und unverbindlich reden.
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... eine Frage zum Schluss
Welches Thema in deiner Organisation willst du 2026 angehen?
Organisationen verändern sich nicht durch gute Absichten.
Sie verändern sich durch (andere) Entscheidungen.
Was heute nervt, blockiert oder Energie frisst, ist selten Zufall. Es ist das Ergebnis stabiler Muster: wie entschieden wird, was Priorität bekommt, was folgenlos bleibt und was sich trotz besseren Wissens wiederholt.
Viele Initiativen setzen bei Verhalten an. Wirkung entsteht aber dort, wo sich die Logik dahinter verschiebt. Nicht mehr Aktion, sondern andere Anschlussfähigkeit.
2026 ist gekommen.
Die Strukturen bleiben, wenn man sie nicht adressiert.
